• Was euch erwartet Nach einer vielstimmigen Eröffnung am Mittwochabend, 17. Mai, konzentrieren wir uns am Donnerstag, 18. Mai, auf den Aspekt der Klage und der Trauer. Wir trauern um die Opfer des NSU und das zugefügte Leid. Es geht um die Geschichte migrantischer Lebensrealitäten und um die Nazistrukturen, die diese Realität angegriffen haben. Mehr

    Nach einer vielstimmigen Eröffnung am Mittwochabend, 17. Mai, konzentrieren wir uns am Donnerstag, 18. Mai, auf den Aspekt der Klage und der Trauer. Wir trauern um die Opfer des NSU und das zugefügte Leid. Es geht um die Geschichte migrantischer Lebensrealitäten und um die Nazistrukturen, die diese Realität angegriffen haben. Erzählt wird dies u.a. am Beispiel der Ermordung Halit Yozgats in seinem Kasseler Internetcafé. Das Forensic Architecture Institute London hat es nachgebaut, um so aus den Zeugenaussagen den Tathergang zu rekonstruieren. Die Ergebnisse dieser Analyse wurden filmisch festgehalten und werden auf dem Tribunal vorgestellt.

    Der Freitag, 19. Mai, bietet vor allem dem migrantischen Widerstand gegen die rassistischen Verhältnisse eine Bühne: So gibt es u.a. einen Workshop zu Solidarität und Widerstand, der gemeinsam mit der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh und der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş vorbereitet wird. Ein weiterer Workshop findet zum Thema Rassismus und Sexismus statt. Auf der Bühne berichten u.a. Vertreter*innen von International Women Space, Agisra, LesMigraS, ISD, Amaro Foro, Freundeskreis Mölln, Initiative Ramazan Avcı und anderen von ihren Kämpfen. All diese Stimmen entwickeln gemeinsam ein Manifest der Zukunft.

    Am Samstag, 20. Mai, rücken die Betroffenen der NSU-Morde und -anschläge wieder in den Mittelpunkt. Das Tribunal nimmt den strukturellen Rassismus in den Blick, der dazu geführt hat, dass gegen die Opfer ermittelt wurde. Es geht außerdem um ihre Stigmatisierung durch die Medien und ihre Marginalisierung auf den offiziellen Gedenkspektakeln. Die im Laufe des Tribunals zusammengetragenen Anklagepunkte verdichten wir zu einer Anklage und erweitern sie mit konkreten Forderungen.

    Am Sonntag, 21. Mai, klagen wir mit einer gemeinsamen Demonstration durch Köln-Mülheim das gute Leben ein!

    Das Hauptprogramm wird ergänzt durch Workshops, Theateraufführungen, Filmvorführungen, Hörstücke, Audio- und Videoinstallationen, performative Stadtführungen, Wandbilder, Musik und Tanz.

  • Workshops und Rahmenprogramm Neben den Hauptveranstaltungen werden viele Workshops stattfinden Theaterstücke und Ausstellungen werden zu sehen sein. Mehr

    Donnerstag, 18. Mai 2017: Klage und Anklage

    Workshops


    10-13 Uhr: Geschichtswerkstatt Chemnitz - Recherchen zu den Tat- und Ereignisorten des NSU

    10-13 Uhr, Werkstatt
    Seit 2015 engagieren sich Studierende und Schüler*innen aus Chemnitz bei Trafo. Sie recherchieren zu den Bedingungen, die das unbehelligte soziale Leben des NSU und seines Unterstützernetzwerkes möglich machten. Methodisch arbeiten die Werkstätter*innen an Interviews mit Zeitzeug*innen und Arbeiter*innen in den Untersuchungsausschüssen, Recherchen zu den Tat- und Ereignisorten mit NSU Bezug in Chemnitz per Fotostreifzügen und Interviews Vorort. Die Recherchen werden gesammelt und ausgewertet. Für eine breitere Diskussion zu der Topografie und den sozialen Bedingungen in Chemnitz werden in der Werkstatt die Inhalte der Recherchen für Ausstellungen bearbeitet. Die Teilnehmenden erarbeiten gemeinsam eine Ausstellungstafel zum Thema des Worshops aus dem mitgebrachten und vorgestelltem Material/ Recherchen.
    Dieser Workshop wird angeboten von der Geschichtswerkstatt Transformationsgesellschaft und Jugendhilfe in Chemnitz – TRAFO).
    Anmeldung unter: workshoptribunal@gmx.de

    10-14 Uhr: Zwischen Rassismuskritik und Empowerment. NSU in der politischen Bildungsarbeit

    10-14 Uhr, Café Sabahçı
    In diesem Workshop stellen wir die Frage wie rassismuskritische Bildungsarbeit zum NSU Komplex gelingen kann. Was ist nötig um einerseits Informationen zum Komplex NSU zu vermitteln und gleichzeitig Teilnehmer_innen eines Seminars in unterschiedlichen Zugängen zu NSU dort abzuholen wo sie im Themenfeld stehen?
    Die Broschüre Bildungsbaustein NSU Komplex, konzipiert in Kooperation der Betroffenenberatung empower und Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Hamburg für Multiplikator_innen, wird mit ihren inhaltlichen Rahmenüberlegungen vorgestellt. Im Workshop soll ein Erfahrungsaustausch zu politischer Bildungsarbeit angeboten und Methoden aus der Broschüre vorgestellt werden.
    Dieser Workshop wird angeboten von der Betroffenenberatung empower und Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Hamburg.
    Anmeldung unter: sarah.sott@hamburg.arbeitundleben.de

    11-13 Uhr: Der Düsseldorfer Wehrhahn-Anschlag: Alles aufgeklärt?

    11-13 Uhr, Kulturbunker Seminarraum
    Nach über 16 Jahren präsentierten Polizei und Staatsanwaltschaft im Februar 2017 der Öffentlichkeit einen neonazistishen -Alleintäter-, der für den Sprengstoffanschlag am 27. Juli 2000 auf eine Gruppe aus osteuropäischen Ländern zugewanderter Mensch-en verantwortlich sein soll. Die Ermittlungs- und Anklagebehörden sind sich sicher, -den Richtigen- dingfest gemacht zu haben und mittels einer
    -geschlossenen Indizienkette- im anstehenden Strafprozess eine Verurteilung wegen zwölffachen Mordversuchs bewirken zu können. Mittäterschaften werden bestritten. Dies macht hellhörig, wurde der jetzt Verdächtigte schon damals von antifaschistischen Initiativen als Hauptverdächtiger genannt und als fest in der militanten Neonaziszene Düsseldorfs verankert beschrieben. Gab es ein mögliches -Fehlverhalten- seitens der Behörden, so konnte der Untersuchungsausschuss des Landtages (PUA) nichts Wesentliches zur Erhellung beitragen, da man auf Drängen eben jener zu unter-suchenden Behörden bis zum Schluss wartete. Der Workshop versucht eine Bestandsaufnahme des Themenkomplexes Wehrhahn-Anschlag. Wie wurde und wird mit den Opfern des Anschlags umgegangen? Wurden möglicherweise Fehler bei den Ermittlungen gemacht oder gar in die falsche Richtung ermittelt? Wie ist die These von einem -Alleintäter- zu werten und vor welchen Hintergrund wurde die Tat verübt? Was ist über die Rolle des Verfassungsschutzes bekannt? Und hat der PUA NRW seinen Untersuchungsauftrag bezüglich des Wehrhahn-Anschlags erfüllt?
    Dieser Workshop wird angeboten von der Antifaschistischen Linke Düsseldorf
    Ohne Anmeldung

    11-13 Uhr: Junge Muslime in Auschwitz

    11-13 Uhr, Kulturbunker, Café
    ‘Ich hab Hass verspürt gegen die Nazis, ich war wütend - aber ich war auch traurig‘, sagt Samed nach seinem Besuch in der Gedenkstätte Auschwitz. Samed ist einer von zehn jungen Männern zwischen 16 und 21 Jahren mit türkischen, kurdischen und arabischen Wurzeln, die sich ein eigenes Bild vom größten Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten machen wollten.
    Aufgewachsen sind viele von ihnen mit Zweifeln am Holocaust und Vorurteilen gegenüber Juden. Der Verein ‘Offene Jugendarbeit‘ in Duisburg hat deswegen dieses Reiseangebot gemacht: ‘Wir als Muslime in Deutschland sollten uns endlich dem Antisemitismus in unserer eigenen Community stellen‘, sagt Gruppenleiter Burak Yılmaz.
    Einige der Jugendlichen schließen sich außerdem den Duisburger ‘Heroes‘ an - ein Projekt ‘gegen Unterdrückung im Namen der Ehre - für Gleichberechtigung‘. Mit diesem Projekt wollen sie in die Schulen gehen und weiter gegen Rassismus und Antisemitismus kämpfen.
    Dieser Workshop wird angeboten von Heroes aus Duisburg.
    Ohne Anmeldung

    13.30-14.15 Uhr: Einführung in den NSU-Komplex


    an verschiedenen Orten; bitte Aushänge und Infos beachten

     

    Theater


    17:00 – 18:30 Uhr: Die NSU-Monologe, von: Bühne für Menschenrechte im Depot 2

    Donnerstag, 17-19 Uhr, Freitag 15-17 Uhr, Depot 2
    Fünf Jahre nach Bekanntwerden des ‘Nationalsozialistischen Untergrunds‘ erzählen die NSU-Monologe von den jahrelangen Kämpfen dreier Familien der Opfer des NSU - von Elif Kubaşık, Adile Şimşek und İsmail Yozgat: von ihrem Mut, in der 1. Reihe eines Trauermarschs zu stehen, von der Willensstärke, die Umbenennung einer Straße einzufordern und vom Versuch, die eigene Erinnerung an den geliebten Menschen gegen die vermeintliche Wahrheit der Behörden zu verteidigen.
    Die NSU-Monologe sind dokumentarisches, wortgetreues Theater, mal behutsam, mal fordernd, mal wütend – roh und direkt liefern sie uns intime Einblicke in den Kampf der Angehörigen um Wahrheit und sind in Zeiten des Erstarkens von Rechtsextremismus an Aktualität kaum zu überbieten.

     

    Freitag, 19. Mai 2017: „We are the future in the present“

    Workshops


    10-16 Uhr: Forum: Perspektiven und Strategien der Solidarität und des Widerstands

    10-16 Uhr, SSM Halle am Rhein
    Betroffene und Angehörige von rechter/rassistischer Gewalt und Initiativen, die mit diesen zusammenarbeiten, beratschlagen gemeinsam über Perspektiven und Strategien der Solidarität und des Widerstands. Ziel des Austausches ist es, Betroffenen-Wissen zu generieren und zur Verfügung zu stellen, Forderungen zusammenzutragen und Vernetzung auszubauen. Die rassistischen Morde und Angriffe haben System und Kontinuität. Sie konnten über Jahrzehnte nur geschehen, weil sie institutionell verdeckt, vertuscht und unterstützt wurden. Rassismus ist systemimmanent und in verschiedenen Ländern und Gesellschaften vorzufinden. Die Auswirkungen auf Schwarze, People of Color, Migrant*innen ... gleichen sich überall.
    Mit Inputs als Einstieg in die Themenbereiche z.B. Solidarität, Selbst-Organisierung, Widerstand, Vernetzung, Perspektiven laden wir zu einem offenen Gespräch ein.
    Ohne Anmeldung

    10-13 Uhr: NSU und Antisemitismus – Medienanalyse und Solidarisierung

    10-13 Uhr, Gold und Beton
    Anhand von Pressebeispielen und ihren Nutzer*innenkommentaren wollen wir über den Zusammenhang von NSU und Antisemitismus diskutieren, über mediale Berichterstattung und Aufmerksamkeit. Dabei ist es uns wichtig zu zeigen, dass die mediale Aufmerksamkeit, die auf antisemitische Taten oft folgt, und die öffentliche Repräsentation der jüdischen Minorität in Deutschland (auch) nicht selbstbestimmt sind und den Vorstellungsbildern der nichtjüdischen, deutschen Mehrheitsgesellschaft folgen. Außerdem sollen die Mechanismen in den Blick genommen werden, die häufig reflexhaft zu (verletzenden) Vergleichen und Opferkonkurrenzen führen. Doch das schwächt migrantische wie jüdische Positionen. Deshalb schlagen wir neue Allianzen und gemeinsame, solidarische Positionen vor.
    Mit: Lea Wohl von Haselberg, Hannah Peaceman
    Anmeldung unter: jena@nsu-tribunal.de

    10-14 Uhr: Ich hab ja nix gegen Ausländer, ABER……

    10-14 Uhr, Agora Deutz
    Die drei Autoren des Sammelwerks „Die haben gedacht wir waren das“ gehen der Frage nach, welche Spuren Rassismus in unserer Gesellschaft hinterlässt und wie man damit konstruktiv umgehen kann.
    Rassismus im Alltag improvisierend begegnen
    Täglich werden wir rassistischer Diskriminierung ausgesetzt. Doch wie geht man damit um? Durch einen Perspektivwechsel schlüpfen die Workshop in die Rolle von Opfern rassistischer Diskriminierungen und lernen aktiv zu reagieren.
    RAP als Sprachrohr und Ressource von Randgruppen
    Die Kursteilnehmer bekommen einen Einblick über die künstlerische Widerstandsform und lernen sich selbst durch Rap zum Ausdruck zu bringen.
    Mit: Kemal Bozay, Funda Özfırat und Orhan Mangıtay
    Anmeldung unter: funda_oezfirat@web.de

    13-16 Uhr: Sexismus und Rassismus

    13-16 Uhr, Akademie der Künste der Welt
    Women of color müssen sich gegen Rassismus genauso wie gegen Sexismus wehren. Sie kämpfen gegen patriarchale Rollenbilder und gegen rassistische Zuschreibungen, „ihre“ Community sei per se frauenfeindlich. Welche Einflüsse hatte (und hat) der NSU-Terror auf die Kämpfe geflüchteter Frauen? Gibt es Ähnlichkeiten, Kontinuitäten und Unterschiede erlebter Rassismen geflüchteter Frauen zu dem, was Angehörige der Opfer des NSU in den Ermittlungen nach den Morden an ihren Männern, Brüdern, Söhnen erleben mussten? Was ist aus ihren Erfahrungen heraus nötig, um antirassistische und antisexistische Politiken weiterzuentwickeln? Wie lassen sich die verschiedenen Kämpfe verbinden?
    An dem Workshop teilnehmen werden feministische Gruppen, die sich aus migrantischer Perspektive mit Fragen rund um Geschlechterpolitiken, Rassismus und dem Zusammenhang mit dem NSU-Komplex befassen. Die Workshop-Teilnehmer*innen werden sich über die jeweiligen politischen Praxen austauschen, zentrale Fragen und politischen Strategien diskutieren und darüber nachdenken, was die nächsten notwendigen politischen Strategien und Forderungen sind.
    Mit Teilnehmerinnen von: International Women Space, Agisra, Women in Exile
    Die Teilnehmer*innenzahl ist begrenzt. Anmeldung über workshop_rassismus_sexismus@nsu-tribunal.de

    13-15 Uhr: Vorbereitung Tag X2 – Tag der Urteilsverkündung am OLG München

    13-15 Uhr, Café Sabahçı
    Mit dem Urteilsspruch ist nichts erledigt. Am Tag der Urteilsverkündung wollen wir, die Initiative “Keupstraße ist überall”, in der Kölner Keupstraße gemeinsam mit den Keupstraßen-Bewohner*innen zum Urteil Stellung nehmen. In München werden wir zusammen mit vielen anderen Initiativen vor dem Gericht demonstrieren. Gleichzeitig hoffen wir auf viele dezentrale Aktionen in anderen Städten am Tag X2. Das alles wollen wir in diesem Tribunal-Workshop vorbereiten. Wir laden alle ein, die sich an den Vorbereitungen beteiligen wollen.
    Dieser Workshop wird angeboten von der Initiative “Keupstraße ist überall”.
    Anmeldung unter: initiative@keupstrasse-ist-ueberall.de

    13-15.30 Uhr: Rassismus gegen Sinti und Roma

    13-15.30 Uhr, Werkstatt
    Organisiert von Hasiba Dzemajlji von der Gruppe ‘Dosta‘ (‘es reicht‘), Stewo Jedrzejczyk, Ali und dem Rap-Duo ‘K.A.G.E‘, Kefaet und Selami Prizreni, die nach langjährigem Leben in Essen 2010 in den Kosovo abgeschoben wurden, beide sind seit 2014 wieder in Deutschland und bundesweit als Rap-Künstler und Roma-Aktivisten unterwegs.
    Ohne Anmeldung

    13-14.30 Uhr: Theater und Widerstand

    13-14.30 Uhr, NS Dok
    In unserem Workshop teilen wir anhand von filmischen Mitschnitten Eindrücke der Auseinandersetzung des Theater X mit dem NSU und rassistischer Gewalt in Deutschland.
    Im zweiten Teil wollen wir uns mit den Teilnehmenden über die Möglichkeiten von Theater und Kunst im Kontext politischen Widerstands austauschen.
    Dieser Workshop wird angeboten von Initiative Grenzen-Los! e.V., Jugendtheaterbüro Berlin.
    Anmeldung unter: dinah.buechner@grenzen-los.eu

    14-15.30 Uhr: Critical Walk: Geschichte der Migration und des Rassismus in Köln-Mülheim

    14-15.30 Uhr, Beginn am Wiener Platz
    Schüler*innen des Hölderlin Gymnasiums und der Willy Brandt Gesamtschule haben zusammen mit La Talpa e.V. einen digitalen Geschichtspfad zur Geschichte des NSU erarbeitet. Der Rundgang startet am Wiener Platz vor dem Bezirksrathaus Köln-Mülheim und führt u.a. über die Keupstraße. Ziel ist es, die Geschichte von Migration, Rassismus und dem NSU gemeinsam zu erforschen und über eine Stadtrundgang-App Hintergründe zu erfahren.
    Interesse? Dann lade auf der Seite www.critical-walks.net unsere kostenlose App herunter
    Dieser Workshop wird angeboten von La Talpa e.V.
    Anmeldung unter: workshoptribunal@gmx.de

    15.30-16.15 Uhr: Einführung in den NSU-Komplex


    an verschiedenen Orten; bitte Aushänge und Infos beachten

     

    Theater


    11:00-13:00 Uhr: Warum musste Theo sterben? Der NSU, die Einwanderer und der Staat. Ein partizipatives Theaterstück.

    (Zeit unter Vorbehalt) von: Miltiadis Oulios und Antonis Chryssoulakis
    Der Mord an dem griechischen Opfer des NSU, den Schlüsselmacher Theodoros Boulgarides in München, ist innerhalb der griechischen Einwanderer-Community kein großes Thema. Ausgehend von diesen Erfahrungen wirft das Stück Fragen zum Thema Rassismus, dem Selbstverständnis und den Widersprüchen einer als 'gut integriert' geltenden Einwanderergruppe auf und lädt das Publikum zur Diskussion und Standortbestimmung angesichts des Rechtsrucks in Europa ein.

    17:00 – 18:30 Uhr: Die NSU-Monologe, von: Bühne für Menschenrechte im Depot 2

    Freitag 15-17 Uhr, Depot 2
    Fünf Jahre nach Bekanntwerden des ‘Nationalsozialistischen Untergrunds‘ erzählen die NSU-Monologe von den jahrelangen Kämpfen dreier Familien der Opfer des NSU - von Elif Kubaşık, Adile Şimşek und İsmail Yozgat: von ihrem Mut, in der 1. Reihe eines Trauermarschs zu stehen, von der Willensstärke, die Umbenennung einer Straße einzufordern und vom Versuch, die eigene Erinnerung an den geliebten Menschen gegen die vermeintliche Wahrheit der Behörden zu verteidigen.
    Die NSU-Monologe sind dokumentarisches, wortgetreues Theater, mal behutsam, mal fordernd, mal wütend – roh und direkt liefern sie uns intime Einblicke in den Kampf der Angehörigen um Wahrheit und sind in Zeiten des Erstarkens von Rechtsextremismus an Aktualität kaum zu überbieten.

     

    Samstag, 20. Mai 2017: Wir klagen an!

    Workshops


    10-11.30 Uhr: Diskriminierungsfreie Berichterstattung

    10-11.30, Werkstatt
    In der deutschen Berichterstattung findet man häufig Stereotype über Einwander*innen und Geflüchtete, was sich in Wort, Bild und Themenwahl zeigt. Einige Beispiele zeigen die Kontinuität von bestimmten, rassistischen Narrativen, die in bestimmten historischen und politischen Situationen immer wieder von Medien aufgegriffen werden – auch jetzt.
    Im Workshop soll auf diese Narrative und die nachfolgende Themenwahl aufmerksam gemacht werden, ebenso – anhand von Bildbeispielen - auf die Stereotype in der Illustration von Artikeln bzw. beim Bildmaterial in Fernsehbeiträgen.
    Des Weiteren wird die Wortwahl bei der Berichterstattung über Einwander*innen und Geflüchtete geprüft und Alternativen zu gängigen (oft inkorrekten) Bezeichnungen angeboten. Hilfsmittel wie das Glossar der Neuen deutschen Medienmacher sowie Webseiten zum Faktencheck für Information rund um Migration werden vorgestellt.
    Mit: Sheila Mysorekar (Journalistin, Vorsitzende Neue deutsche Medienmacher), Tina Adomako (Journalistin, Vorstand Neue deutsche Medienmacher)
    Ohne Anmeldung

    10-13 Uhr: Das geplante Denkmal auf der Keupstraße

    10-13 Uhr, IFS
    2014 beschloss die Stadt Köln, ein Denkmal zu errichten, dass an die Anschläge in der Keupstraße und in der Probsteigasse erinnern soll. Der Entwurf von Ulf Aminde wurde einstimmig von der Jury ausgewählt. Mitat Özdemir und Ulf Aminde stellen den Entwurf vor und erläutern die damit einhergehende Bedeutung für das Viertel rund um die Keupstraße. Das Denkmal ist momentan noch in der Schwebe. In den Verhandlungen darum wird bereits deutlich, dass eine Gentrifizierung des gesamten Viertels ansteht oder bereits in vollem Gange ist und somit die Standortfrage auch als Frage nach der Bedeutung der Keupstraße im Kölner Kontext verhandelt wird. Im Anschluss gibt es Zeit für Diskussion zu dem Entwurf, aber auch zu der aktuellen Situation. Ein kleiner Spaziergang führt zu dem noch zu bauenden Platz, auf dem das Denkmal errichtet werden und somit in unmittelbarere Nähe zu den Carlswerken am Eingang der Keupstraße ein öffentlicher Versammlungsort werden soll. Eingeladen sind alle grundsätzlich Interessierten aber vor allem auch die Bewohner*innen des Viertels, deren Beteiligung elementarer Bestandteil des Denkmales ist.
    Mit: Mitat Özdemir, Ulf Aminde
    Ohne Anmeldung

    10-13 Uhr: History Reclaimed – Perspektiven junger Menschen auf die Geschichte des NSU-Terrors

    10-13 Uhr, NS Dok
    „NSU? Davon haben wir schon mal gehört, aber was hat das mit meiner Stadt zu tun?“ Diese Frage stellten sich Jugendliche aus verschiedenen Städten und begannen, sich mit der Geschichte des NSU vor Ort auseinanderzusetzen. Einige von ihnen haben sich die Erstellung digitaler Geschichtspfade zum Ziel gesetzt, andere eine Ausstellung erarbeitet. Auf dem Jugendforum werden die jungen Menschen aus ihren Projekten berichten und die Ergebnisse ihrer Recherchen diskutieren. Interessierte Jugendliche, die als Gäste hinzukommen möchten, sind herzlich eingeladen mitzudiskutieren.
    Dieser Workshop ist eine Kooperation von La Talpa e.V. und Geschichtswerkstatt Chemnitz.
    Anmeldung unter: workshoptribunal@gmx.de

    10-13 Uhr: Das System NSU - eine Einordnung entlang der Begriffe Aufklärung, Gerechtigkeit und Erinnerung

    10-13 Uhr, Gold und Beton
    Dieser Workshop beschäftigt sich mit den Begriffen Aufklärung, Gerechtigkeit und Erinnerung und betrachtet die Felder des strukturellen Rassismus, der Neonazistrukturen, Geheimdienstpraktiken und den Widerständen dagegen. Wie können wir zu einer politischen Praxis beitragen, die verhindert, dass rassistische Morde gesellschaftlich ignoriert werden, dass Geheimdienste einen Staat im Staat entwickeln und bewusst terroristische Neonazistrukturen unterstützen? Wie können wir erreichen, dass die Aufklärung über das System NSU nicht nachlässt und dass die Opfer nicht vergessen werden?
    Dieser Workshop wird angeboten von der System-NSU-Ag der IL Berlin, die seit dem Auffliegen des NSU zum Thema arbeitet.
    Ohne Anmeldung

    12-14 Uhr: Selbst organisierte Opferberatungsstellen

    12-14 Uhr, SSM Halle am Rhein

    12-14 Uhr: Stellung und Umgang mit Opferzeug*innen und Nebenkläger*innen in Prozessen wegen rassistischer Verbrechen – das Beispiel der NS-Kriegsverbrecherprozesse

    12-14 Uhr, Café Sabahçı

    15.30-16.15 Uhr: Einführung in den NSU-Komplex


    an verschiedenen Orten; bitte Aushänge und Infos beachten

     

    Theater


    11:00-13:00 Uhr: Die Lücke, Regie: Nuran David Calis im Depot 2

    Am 9. Juni 2014 ist es zehn Jahre her, dass in der Kölner Keupstraße eine auf einem Fahrrad montierte Nagelbombe des NSU 18 Menschen zum Teil schwer verletzte und zahlreiche Geschäfte zerstörte. 5 Minuten Fußweg vom Schauspiel entfernt hat der Nuran David Calis ein Jahr lang immer wieder Anwohner*innen und Geschäftsleute getroffen und mit ihnen ein Bild der Keupstraße aus der Sicht der Menschen entwickelt, die dort leben. Und es wird erzählt von ihnen selbst.

    18:00 – 19:30 Uhr: Blumen für Otello, mit: Esther Dischereit und İpek İpekçioğlu

    Esther Dischereits Texte handeln in den Klageliedern davon, welche Lücken die Verbrechen des NSU bei den Hinterbliebenen aufgerissen haben. Was hat Staatsbeamte, die aufklären und die Morde verhindern und Schutz bieten sollten, zu Schuldigen werden lassen? Im Jenseitigen hören wir einem Gespräch zu, das der türkische Blumenhändler mit Otello, der Shakespeare-Figur, führt: über die Farbe der Haut, den Glauben, ihre Herkunft.
    Dischereits Texte sind Teil einer Trauerarbeit unserer Gesellschaft und der Versuch, die Sprachlosigkeit zu überwinden.


     

    ab 23:00 Uhr Ausklang mit DJ İpek u.a.

     
     

    alle Tage Mittwoch bis Samstag

    Workshops


    Spurenb(u)ilder – Das Mobile Reporting zum Tribunal

    Das NSU-Tribunal wird einen wichtigen Kristallisationspunkt für Meinungen, Ideen und Strategien darstellen, um (strukturellen) Rassismus offen zu legen und migrantisch-situiertes Wissen in der Öffentlichkeit zu stärken. Das Medium Video kann dazu beitragen, die Geschehnisse weit über deren räumliche und zeitliche Verortung hinaus bekannt zu machen.
    Dazu werden wir Kurzfilme erstellen, die entlang des Geschehens gedreht, geschnitten und publiziert werden.
    Das erforderliche Filmhandwerk und Wissen werden wir gleichzeitig vermitteln. Wir werden dabei nur solche Technik einsetzen, die entweder bei den Teilnehmer*innen bereits vorhanden ist (Smartphone, Laptop) oder kostenfrei unter offener Lizenz zur Verfügung steht (Lightworks FREE, XMEDIA Recode).
    Die Teilnehmer*innen werden im Ausgang des Workshops nicht „nur“ Filme über das Tribunal erstellt haben, sondern zukünftig in der Lage sein, das Werkzeug Video auch weiterhin für progressive, humane und linke Positionen einzusetzen.

    Ausstellungen


    SEQUENZEN – ERINNERUNG – WECHSEL

    Den NSU-Komplex kontextualisieren
    von: spot the silence
    Ort: Foyer

    Gerichtssaalzeichnungen aus Winzerla – Kunst als Spurensuche im Schatten des NSU

    von: Sebastian Jung
    Ort: Rote Wand im Foyer

    Graphic Recording

    von: Anneke Gerloff, Paula Bulling
    Ort: Wand Foyer

    Die Gerichtetheit der Mikrophone im Gericht

    von: Prof. Dr. Johannes Ismaiel-Wendt

    Ort: Grotte

    Homestory Deutschland – Schwarze Biografien in Geschichte und Gegenwart

    von: ISD Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V.
    Ort: Container über der Grotte

    Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen

    von: Birgit Mair, Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB) e.V.
    Ort: Carlsgarten Sitzecke

    „Mari Permissi“ Unsere Geschichte

    von: Daniel Strauß, Verband Deutscher Sinti und Roma Landesverband Baden-Württemberg
    Ort: Carlsgarten unter dem Vordach

  • Programm Hier findet ihr das Programm der Tribunal-Tage, das wir an dieser Stelle ständig aktuell halten.
    Die Veranstaltungen im Depot 1 werden simultan gedolmetscht und auf Deutsch, Türkisch und Englisch zu hören sein.
    Mehr

    Mittwoch, 17.Mai

    Donnerstag, 18.Mai

    Freitag, 19.Mai

    Samstag, 20.Mai

    Sonntag, 21.Mai

  • Programmheft Download Hier könnt ihr demnächst das Programmheft als PDF herunterladen. Mehr

    Hier könnt ihr demnächst das Programmheft als PDF herunterladen.