Teilnehmer des NSU-Tribunal abgeschoben:

PRESSEMITTEILUNG

Rassismus

Teilnehmer des NSU-Tribunal abgeschoben:

Rückkehr gefordert

Köln, 16.05.2017 – Heute wurde ein Mitwirkender des Tribunals, der 28-jährige Musiker und Aktivist Selami Prizreni, in seiner Wohnung in Essen von der Polizei abgeholt und am Nachmittag unter Protest seiner Freunde und Familie vom Düsseldorfer Flughafen in den Kosovo abgeschoben. Das morgen eröffnende NSU-Tribunal, wo Selami Prizreni an drei Programmpunkten teilnehmen sollte, protestiert gegen seine Abschiebung.

Tim Klodzko, Pressesprecher des Bundesweiten Aktionsbündnisses ‚NSU-Komplex auflösen’, erklärt dazu: „Die Abschiebung folgt einer rassistischen Praxis, die wir mit dem Tribunal anklagen. Es reicht! Wir fordern die sofortige Rücknahme der Abschiebung und ein dauerhaftes Bleiberecht für Selami und alle anderen Roma. Selamet sollte wie geplant am NSU-Tribunal teilnehmen können.“

Selami, a.k.a. Gipsy in Exile, macht mit seinem Bruder als Hip Hop-Gruppe K.A.G.E. Musik und setzt sich für die Rechte der Roma ein. Er wurde als Hauptdarsteller des Dokumentarfilms „Trapped in Law“ bekannt, in dem sein Schicksal und das seiner Brüder Hikemt und Kefaet dargestellt wird. Die Familie Prizreni war in den 1990er Jahren während des Jugoslawienkriegs nach Deutschland geflohen, die Brüder sind in Essen aufgewachsen und zur Schule gegangen, wurden aber schon 2010 zum ersten Mal abgeschoben aus dem alleinigen Grund, dass sie Roma sind. Drei Jahre später prozessierte er noch im Kosovo erfolgreich gegen seine Abschiebung und bekam dennoch keinen sicheren Aufenthaltstitel für Deutschland. Er floh zurück in seine Heimat Deutschland.

Auf dem NSU-Tribunal in Köln sollte Selami Prizreni am Freitag im Hauptprogramm sowie auf einem Workshop mit dem Titel „Institutioneller und gesellschaftlicher Rassismus gegen Sinti & Roma und der Widerstand dagegen“ sprechen. Zudem war ein Auftritt seines Musik-Acts an der Abschluss-Parade am Sonntag in der Keupstraße geplant.

Auch weitere Gruppen und Politiker*innen sprachen sich gegen die Abschiebung aus. Terry Reintke, Mitglied des Europäischen Parlaments, wandte sich mit einem Appell an den Essener Bürgermeister und die Ausländerbehörde: “Roma können im Kosovo nicht frei von Diskriminierung leben. Viele Roma leben unter unmenschlichen Zuständen und werden bewusst von gesellschaftlicher Teilhabe ausgegrenzt. Als Mitglied der EU-Kosovo-Delegation im Europäischen Parlament konnte ich mich immer wieder von dieser Situation überzeugen.“

Mit einer Petition fordert das Roma-Center Göttingen die umgehende Rückkehr von Selami Prizreni:
„Selami ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, seine Familie lebt seit 30 Jahren in Deutschland. Sein gesamtes berufliches und privates Netzwerk ist in Deutschland.
Seine Abschiebung betrachten wir als unrechtmäßig und unmenschlich.“

Online-Petition unterzeichnen:
https://www.openpetition.de/petition/online/bleiberecht-fuer-Selami-prizreni-jetzt

Pressekontakt
Tribunal ‘NSU-Komplex auflösen‘
media@nsu-tribunal.de, Tim Klodzko, Sonja Stodiek, Mobil: +49 (0) 157 30 31 19 70

Mehr Infos: www.nsu-tribunal.de/newsroom

Akkreditierungen und Informationen während des Tribunals:
Medienzentrum im Café Offenbach (1. Etage), neben dem Depot des Schauspiel Köln