Aufruf zum Gedenken: 15 Jahre nach dem rassistischen Anschlag in der Keupstraße

Wir dokumentieren den Aufruf der Initiative Herkesin Meydanı – Platz Für Alle.

Am 9. Juni 2019, 15 Jahre nach dem rassistischen Anschlag in der
Keupstraße, solidarisch handeln, Erinnerung sichtbar machen!

Gegenüber der Keupstraße in Köln-Mülheim, in Sichtweise des
Friseursalons, wo vor 15 Jahren die Nagelbombe explodierte, soll ein
Mahnmal an die Opfer der rassistischen Bombenanschläge in Köln
(Probsteigasse, 2001 und Keupstraße, 2004) erinnern. Dieses Mahnmal nach
einem Entwurf des Berliner Künstlers Ulf Alminde war in Zusammenarbeit
mit Betroffenen entwickelt und vom Rat der Stadt Köln beschlossen
worden. Ein Ort der Erinnerung, ein Platz für alle sollte entstehen.
„Das Denkmal soll ein Zeichen sein, dass die Kölner Stadtgesellschaft
gemeinsam rassistischen Angriffen entgegen treten und sich für ein gutes
Zusammenleben aller Menschen in Köln einsetzen will.“ (Initiative
Keupstraße ist überall)

Was ist stattdessen geschehen? Die konkrete Planung hat das Ziel völlig
aus den Augen verloren. An der Kreuzung der Keupstraße mit der
Schanzenstraße soll auf der Brache um den Alten Güterbahnhof nach den
Plänen einer Investorendruck ein lukratives Gewerbequartier entstehen.
Für das Mahnmal in Sichtweite des Nagelbombenattentats ist kein Platz mehr.

Warum ignoriert die Stadt Köln ihre Verantwortung und ihre eigenen
Beschlüsse? Die Keupstraße wurde jahrzehntelang mit rassistischen
Klischees belegt. Nach dem Nagelbombenanschlag führte
Bundesinnenminister Otto Schily die Tat auf „Auseinandersetzungen im
kriminellen Milieu“ zurück. So ermittelten Polizei und
Staatsanwaltschaft jahrelang gegen die Opfer der rassistischen Anschläge
und machten sie zu Tätern. Bewohner*innen der Keupstraße vermuteten
dagegen Nazis als Urheber der Bombe und sollten recht behalten. Die
rassistischen Ermittlungen bezeichneten sie folgerichtig als „Zweiten
Anschlag“. Nach der Selbstenttarnung des NSU gab es keine Entschuldigung
von offizieller Seite, aber den Beschluss des Rates der Stadt Köln, ein
Mahnmal zu errichten.

Da die Stadtverwaltung inzwischen andere Prioritäten setzt, sind alle
Kölner*innen aufgerufen, gemeinsam mit den Betroffenen den „Platz für
alle“ als lebendigen Ort der Erinnerung und der Begegnung an der
Keupstraße durchzusetzen.

Kommt am 9. Juni 2019, dem 15. Jahrestag des Nagelbombenanschlags um 15
Uhr auf die Keupstraße. Dort gedenken wir gemeinsam mit den
Bewohner*innen der Straße allen Opfern rassistischer Gewalt und werden
die Forderung nach Realisierung des Mahnmals sichtbar machen.

Initiative Herkesin Meydanı – Platz Für Alle

Vollständiger Aufruf (de/tr) als PDF: >> Download  <<

Informationen:
www.mahnmal-keupstraße.de
www.keupstrasse-ist-ueberall.de
www.nsu-tribunal.de