Spendenaufruf für die Familie von Arkan Hussein Khalaf

Solidarität mit den Betroffenen des mutmaßlich rassistischen Mords in Celle

***Scroll down for the English version***

21.4.2020 – Am Abend des 7. April 2020 wurde Arkan Hussein Khalaf  in Celle erstochen. Arkan war erst 15 Jahre alt und lebte seit 2015 in Celle, nachdem er mit seiner Familie vor dem Völkermord des IS aus Şengal nach Deutschland geflüchtet war.

Arkans große Schwester Halime Hussein Khalaf sagt: „Arkan war der Jüngste von uns Geschwistern, er ging in die Oberschule Westercelle. Er konnte niemandem etwas zuleide tun und hatte keine schlechten Angewohnheiten, er war dem ezidischen Glauben verbunden. Warum ist er auf offener Straße ermordet worden? Wir tun doch niemandem etwas. Jetzt ist uns alles genommen worden.“ Der Tod von Arkan erschüttert die Familie, seine Freund*innen und viele solidarische Menschen. Wir verspüren Schmerz, Trauer und Wut.

In den sozialen Medien hat der mutmaßliche Täter Daniel S. teils widersprüchliche Aussagen und Likes gemacht, die seine Nähe zu rechten Verschwörungstheorien vermuten lassen; außerdem hatte er dort Kontakte zu Neonazis. Anstatt diese Anhaltspunkte für ein rassistisches Motiv zu verfolgen, die Parallelen zu den Tätern von Hanau und Halle aufzeigen, hat die Polizei ein politisches Motiv schnell ausgeschlossen. Stattdessen wird – wieder einmal – von einem verwirrten Einzeltäter gesprochen.

Wenn Migrant*innen in diesem Land ermordet werden, unmittelbar und ohne Konfrontation, muss Rassismus als zentrales Tatmotiv gelten, solange es nicht eindeutig ausgeschlossen werden kann. Wir dürfen nie wieder, wie im Fall des NSU, den vorzeitigen Ausschluss rechter Tatmotive durch die Behörden gelten lassen. Wir werden weiter hinschauen und die Familie unterstützen.

Wir trauern um Arkan und wir fordern eine vollständige Aufklärung des Mordes und insbesondere des möglichen politischen Motivs. Aber es braucht jetzt noch mehr: Die hinterbliebene Familie benötigt dringend finanzielle Unterstützung.

Mit eurer Spende leistet ihr eine notwendige Soforthilfe für die Kosten der  Bestattung und Trauerfeier, für die Akutversorgung und unmittelbare finanzielle Schäden und setzt ein wichtiges Zeichen der Solidarität mit Betroffenen und Hinterbliebenen von Opfern von rechter Gewalt.

 

Hier geht’s zum Spendenaufruf des VBRG

Kontoverbindung des Opferhilfefonds:

Empfänger: VBRG e.V.
Verwendungszweck: “Celle 2020”
IBAN: DE 38 4306 0967 1177 9013 01
BIC: GENO DE M1 GLS

Erstaufrufende in alphabetischer Reihenfolge:

ALC – Antifaschistische Linke Celle
Attac Celle
Buntes Haus Celle
Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus
empower Hamburg
Êzîdischer Frauendachverband SMJÊ
Êzîdischer Frauenverein „Hêvî – Hilfe für Frauen in Not“
feministischen Kampagne “Gemeinsam Kämpfen“
Flüchtlingsrat Niedersachsen
Fridays for Future Celle
glokal e.V.
HCÊ Bündnis der Êzîdischen Jugend e.V.
Jugendliche ohne Grenzen
Justizwatch
MCÊ Mala Êzîdiya Celle/Êzîdisches Kulturzentrum Celle e.V.
MŞD – Rat der Êzîden aus Şengal in Europa
NAV-YEK Zentralverband der Êzîdischen Vereine e.V.
Netzwerk für (rassismus)kritische Migrationsforschung: Repräsentation, Community & Empowerment
Netzwerk Polylux e.V.
RespAct Niedersachsen
Tribunal „NSU-Komplex auflösen“
Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt  e.V.

Den Spendenaufruf können Sie auch als pdf-Datei herunterladen.


Call for Donations for the Family of Arkan Hussein Khalaf

21.04.2020

Solidarity with those affected by the suspected racist murder in Celle

On the evening of 7 April 2020, Arkan Hussein Khalaf was fatally stabbed in Celle, Germany. Arkan was just 15 years old and had been living in Celle since 2015, when he fled with his family from the ISIS genocide in Şingal in northern Iraq.

Arkan’s big sister Halime Hussein Khalaf says that, “Arkan was the youngest of our siblings and went to school at the Oberschule Westercelle. He couldn’t hurt anyone, had no bad habits, and practiced the Yazidi faith. Why was he murdered in the middle of the street? We don’t do anything to anyone. Now everything has been taken from us.” Arkan’s death has shaken the family, friends, and many others in solidarity with them. We are feeling pain, grief, and rage.

The alleged perpetrator, Daniel S., made partly contradictory statements and liked posts on social media that indicate that he may have supported right-wing conspiracy theories. Additionally, he also had contact with neo-Nazis there. Rather than following up on these leads, which point to parallels with the perpetrators of recent racist murders in the German cities of Hanau and Halle, the police quickly ruled out a political motive. Instead, once again, the discussion is focused on a deranged lone perpetrator.

When migrants are murdered in this country, immediately and without a confrontation, racism has to be considered a central motive whenever it cannot be unambiguously ruled out. We can never again accept authorities’ premature exclusion of right-wing criminal motives, as happened in the case of the National Socialist Underground. We will continue watching and supporting the family.

We mourn Arkan and we demand a thorough examination of the murder, and in particular a possible political motive. But even more is needed: the surviving family urgently needs financial support.

Your donation will provide necessary emergency aid for the costs of the funeral and burial, acute care, and direct financial loss. It will also send an important message of solidarity with those affected and the surviving dependents of victims of right-wing violence.