Der Anschlag nach dem Anschlag – Behörden und Medien gegen die Opfer

15:00 – 17:00 Uhr, Depot 1, Übertragung ins Depot 2

“Die Bombe nach der Bombe” nennen die Betroffenen des Bombenanschlages in der Keupstraße 2004 die rassistischen Ermittlungen nach dem Anschlag. Auch an den anderen Tatorten wurden die migrantischen Opfer des Naziterrors nicht unterstützt, sondern von Ermittlungsbehörden, Geheimdiensten, aber auch Finanzbehörden entwürdigt, eingeschüchtert und kriminalisiert. Ihr Wissen, dass die Taten nicht aus dem Umfeld der Opfer stammen können, sondern es wahrscheinlich Nazis waren, wurde nicht ernstgenommen und unterdrückt. Im NSU-Prozess in München spielt dieser zentrale Aspekt des NSU-Komplexes keine Rolle. Wir tragen Berichte von Betroffenen, Auszüge aus den Ermittlungsakten und Protokolle aus den Untersuchungsausschüssen zusammen und zeichnen das komplexe Bild von offenen Ressentiments und unbewussten Stereotypen, von absichtlichen Schikanen und unbemerkten Routinen, von rassistischen Einzelentscheidungen und behördlichen Richtungsvorgaben nach. In ihrer Gesamtheit stellen sie eindrücklich dar, was im MacPherson-Report und im Bericht des UN-Antirassismus-Ausschusses als institutioneller Rassismus bezeichnet wird.

Nicht nur die Ermittler*innen, auch die Medien machten die Opfer des NSU-Terrors zu Tätern und trugen mit ihrer Berichterstattung zu ihrer Stigmatisierung und Ausgrenzung bei. Warum übernahmen die meisten Journalist*innen die Deutungsmuster der Polizei und gaben sie in ihren Berichten unreflektiert wider? Wir präsentieren collagenhaft eine Analyse der Medienberichterstattung über die Mord- und Anschlagserie vor der Selbstenttarnung des NSU sowie historische Kontinuitäten und Aktualitäten. Betroffene berichten direkt und medial vermittelt darüber, wie sie die mediale Berichterstattung wahrgenommen haben und welche Folgen dies für sie und ihre Familien hatte. Medienschaffende diskutieren die strukturellen Gründe für Berichterstattungen, die rassistischen Stereotypen folgen.

Event Timeslots (1)

Samstag, 20.Mai


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Depot 1 (Übertragung ins Depot 2)